Allgäu-Orient 2012. Die etwas andere Rallye

Allgau-Orient, die größte “non Profit” Rallye der Welt. Ein Abenteuer auf Rädern inclusive einer Beruhigungspille für das schlechte Gewissen nicht doch noch ein wohlstandsgeplagter Narzisst zu sein. Das letzte erschwingliche Abenteuer ohne Kommerz und BigBusiness!
Das also bewegt sechs Kollegen, die sich privat kaum kennen, drei Wochen lang in einem Auto oder einsam auf einem Motorrad den Allerwertesten plattzudrücken? Nein, die Frage zu bejahen, wäre viel zu simpel und zu spontan, als dass man als Team mit Fahrzeugen eine Reise von Oberstaufen nach Azerbaidshan antritt.

Inspiration, mehrere Jahre Vorarbeit, Überredungskunst und der Drang nach Abenteuer und das Alles vereint in einem Lothar Stäbler ist die Grundbedingung um an solch einem ungewöhnlichem “Teamtraining” mitmachen zu können. Denn keiner von uns wusste wirklich auf was wir uns einlassen, als wir damals (das liegt schon einige Jahre zurück) jeweils unser “Ja” gegeben haben. Das es zum Einen erst im zweiten Jahr klappt, ließ zumindest mich meine gegebene Verpflichtung beinah vergessen. Zum Zweiten wurde der Aufwand, welchen wir als Team in die Vorbereitung steckten zumindest mich vom möglichen Zweiten Mal abschrecken. Wieviele Abende wurde an den Fahrzeugen geschraubt ?! Was alles musste im “Jour-Fix” Stil besprochen werden (eine PDCA-Liste durfte natürlich nicht fehlen). Wir können ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass sowohl unsere zwei S-Klassen (W126 420 u. 500 SE), als auch unsere zwei 750ger Yamaha’s, nach der “Das Beste oder Nichts” Kur, zu den leicht gebrauchten Neuwagen gehörten! Die Kampflackierung und die Sonderaufbauten waren weitere I-Tüpfelchen für unser Ego. Leider ein wenig overdressed, im Vergleich mit der Walze und vermutlich einigen Flaschen Gerstensaft intus, angemalten Mitbewerbern im Starterfeld.
Eine Besonderheit war der Auftritt auf der diesjährigen Retro Classic. Hier bekamen wir viel Zuspruch und eine Menge Infos von ehemaligen Teilnehmern. Unser bereits zur Neige gehendes Sponsorenbudget konnte auf der Messe ein wenig aufgeladen werden. Erste Teamfotos kursierten darauf hin auf www.durst-blaster.de. Kurz gesagt “der Aufbruch stand kurz bevor” somit stieg auch die Spannung vor dem Start.
Am 27.04.2012 versammelten sich 107 Teams mit ca. 300 Fahrzeugen und somit (unglaublich!) ungefähr 600 Frauen und Männer in Oberstaufen zur Massenflucht vor bequemen Betten, warmen Duschen und durchfallfreiem Essen für mindestens 18 Tage und natürlich mit einem Lächeln im Gesicht! Ist das erstrebenswert? Ja und nochmals Ja!
Die Fahrt durch die Alpen Richtung Italien sollte an sich kein Problem darstellen. Da fast alle mittlerweile über ein Navigationssystem verfügen und wir es laut Reglement nicht verwenden dürfen, genausowenig wie Autobahnen, fehlte es schlicht und einfach an der Gabe eine Landkarte lesen zu können. Unsere erste Nacht verbrachten wir deshalb wild campend in den Bergen. Auch die erste Panne (klemmende Bremsbacken hinten) verfolgte uns weit in den zweiten Tag hinein. Mittlerweile in Kroatien fanden wir ein Reglement-freundliches Hotel am Meer (max. 11eur pro Mann) somit konnten wir ausgeruht am dritten Tag die Hetzjagd durch den Balkan eröffnen. Kroatische Küste, Bosnien u. Herzegowina, Montenegro und schließlich ein katholisches Nonnenkloster in Albanien als Etappenziel forderten vor allem unsere Motorradfahrer und unsere Autos auf der Schotterpiste kurz vor der Albanischen Grenze. Hier wurden wir herzlichst empfangen, kostenfrei versorgt, und um einige Zigkilos Hilfsgüter erleichtert (natürlich alles zweckgebunden für die Kinderarbeit in Albanien). Weiter ging’s durch das Mercedes-Land Albanien (hier liegt sicherlich das zukünftige MB Classic Reimport Eldorado) zur Mittelmeerküste Griechenlands. Der fünfte Tag begann mit einer Motorradpanne (Limaregler) hielt uns aber dank hilfsbereiten Hellenen nicht lange auf und machte uns sogar zur Stars in der griechischen Tagespresse! Auf landebahnähnlichen Landstraßen ging’s im Formel 1 Tempo nach Istanbul, unserem 6. Etappenziel.
Die Stadt am Okzident übertraf alle Facetten einer Megapolis! Rasende und blinde Taxifahrer sind seit Istanbul kein Widerspruch. Hupe ist ein Werkzeug und wird entsprechend massiv genutzt. Das Wort Tankstelle ist in der Türkei eine Angstquelle bei über 2 Euro pro Liter und ca. 15Liter Verbrauch! Kurz gesagt dieses allgegenwärtige Gewusel in einem Megakochtopf würde viele von uns einfach überfordern. Nichtsdestotrotz haben wir eine schlagkräftige Truppe am Bosporus in Form von Mercedes Benz Türk, welche mit über 5000 Mann Busse und Nutzfahrzeuge für die Daimler AG herstellen. Da wir einen nagelneuen Heckflossen-Kühlergrill von MB-Classic für ein Kunstwerk in Istanbul geladen haben, welches dem Türkischen Gastarbeiter in Deutschland gewidmet wird, nahmen wir dieses Ereignis zum Anlass und statteten dem CEO MB Türk Herrn Wolf-Dieter Kurz einen kurze Stippvisite ab. Wir wurden freundlich empfangen, erinnerungsfotografiert und nach einem längerem Aufenthalt im PKW-Service wg. einer vorbeugender Untersuchung am Traggelenk wieder in der Wildnis ausgesetzt. Ein Abendmahl in der türkischen Werkskantine lies uns zumindest vergessen, dass wir eigentlich unseren Urlaubstag im Werk verbracht haben!
Der aufgehenden Sonne entgegen ging’s die nächsten Tage quer durch die Türkei. Die im Roadbook erwähnte “Chinesen-Rallye” (eine durchaus spaßige Fahrt auf unbefestigten Strassen irgendwo in Anatolien) kostete einem weiteren Mercedes-Team eine Ölwanne. Samsun, Trabzon und Kars am Berg Ararat hießen unsere Etappenziele und Nachtlager. Zusammenfassend reichen wir als Konzernangehörige hiermit einen Verbesserungsvorschlag ein, in dem wir die Daimler AG auffordern sich den Zivilisationsabfällen und deren Beseitigung als Geschäftszweig zu widmen, bzw. Technologien oder Anlagen bereitzustellen. Je weiter östlich um so offensichtlicher wurde dieser Missstand. Schluchten, Flüsse oder einfach abgelegene Berggegenden werden als Müllkippen missbraucht. Schade drum, übertüncht einfach unsere Erinnerungen an diese großartigen Landschaftsbilder!

Weiter im Teil 2 demnächst!…….

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